www.only-safer.de

Das Informationsportal für gesundheitsbewusste Huren und Freier
login.php?sid=0271a58659c90a70f6a3da47d73a9a41 profile.php?mode=register&sid=0271a58659c90a70f6a3da47d73a9a41 faq.php?sid=0271a58659c90a70f6a3da47d73a9a41 memberlist.php?sid=0271a58659c90a70f6a3da47d73a9a41 search.php?sid=0271a58659c90a70f6a3da47d73a9a41 index.php?sid=0271a58659c90a70f6a3da47d73a9a41

www.only-safer.de Foren-Übersicht » Sexuell übertragbare Krankheiten » Infektionswege und häufige Irrtümer in der Prostitution
Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen 
Infektionswege und häufige Irrtümer in der Prostitution
BeitragVerfasst am: 12.12.2006, 13:51 Antworten mit Zitat
Andrea Weppert
Anmeldedatum: 21.09.2006
Beiträge: 11
Wohnort: 90403 Nuernberg




Hallo, da draußen -

anbei der Inhalt eines Informationablattes der AIDS- und STI-Beratungsstelle und Poliklinik des Nürnberger Gesundheitsamtes:



Die WHO zählt mehr als 33 verschiedene sexuell übertragbare Infektionen (Sammelbegriff = STI = sexually transmitted infections).

Einige STI (z.B. Syphilis und HBV = Hepatitis B) sind wesentlich ansteckender als HIV (= AIDS-Erreger) und können daher einfacher übertragen werden. Eintrittspforte für diese Erreger ist die Schleimhaut, die sich nicht nur an den Geschlechtsorganen, sondern auch im Mund befindet. Eine Übertragung ist auch durch Oralverkehr („französisch“ oder „blasen“) und Analverkehr möglich. Dies gilt auch für Tripper, Trichomonaden, Chlamydien, etc.

Die Zeiträume, in denen Symptome auftreten oder Antikörper gebildet werden – und damit die Infektion festgestellt werden kann - sind sehr unterschiedlich – von wenigen Tagen bis zu Monaten oder Jahren. Häufig haben die Träger des Krankheitserregers selbst keinerlei Anzeichen einer Infektion und keine Symptome. Man kann sich also bei jemandem anstecken, der selbst nichts von seiner Infektion weiß.

Schmerzlose Symptome wie z.B. bei der Syphilis können im Mund, in der Scheide oder im After leicht übersehen werden – das heißt, man merkt nicht immer etwas von einer Infektion. Außerdem können Symptome bei Männern und Frauen sehr unterschiedlich verlaufen. Unbehandelt können die meisten sexuell übertragbaren Krankheiten schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Zudem eröffnet eine Infektion eine Eintrittspforte für weitere Erreger, z.B. auch für HIV. Das Risiko einer zusätzlichen Ansteckung erhöht sich somit, wenn Krankheiten nicht entdeckt und behandelt werden.

Während der Behandlung von STI muss in den meisten Fällen auf Sex verzichtet und der Partner mitbehandelt werden, da es sonst zu einem „Ping-Pong-Effekt“ kommt. Behandlungen müssen immer zu Ende geführt werden, da die Infektion sonst wieder aufflammen kann. In einigen Fällen sind nach beendeter Behandlung Nachuntersuchungen erforderlich.

Der „aufnehmende“ Partner hat ein höheres Infektionsrisiko, sowohl vaginal als anal oder oral. Je intensiver der Kontakt mit infizierten Körper-flüssigkeiten, desto höher das Ansteckungsrisiko.

Faustregeln zur Prävention von STI:

Falls Sie Risikosituationen eingehen oder viele wechselnde sexuelle Kontakte haben, sollten Sie sich in regelmäßigen Abständen auf sexuell übertragbare Infektionen untersuchen lassen. Außer beim Arzt Ihres Vertrauens geht das anonym und kostenlos in den AIDS- und STI-Beratungsstellen der Gesundheitsämter in größeren Städten.

Angesichts der großen Bandbreite von STI können nur erfahrene Ärzte unter Einbeziehung aller Informationen zuverlässig einschätzen, wann welche Untersuchungen Sinn machen. Ein Arzt, der nicht weiß, dass Sie viele wechselnde Sexualkontakte haben, tippt bei einem Hautausschlag unter Umständen eher auf eine Allergie statt auf eine Syphilis im 2. Stadium. Suchen Sie sich einen erfahrenen Arzt, mit dem Sie offen reden können.

Kondombenutzung verringert das Risiko einer Infektion mit STI stark. Schützen Sie ihre sexuelle Gesundheit. Benutzen Sie bei häufigem Sex mit wechselnden Partnern Kondome auch bei Oralverkehr. Lassen Sie sich gegen Hepatitis A + B impfen!

Information zu weitverbreiteten Irrtümern in der Prostitution:

spermaabtötende Salben und Cremes schützen NICHT vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Im Gegenteil: wenn Salben mit Inhaltsstoffen wie z.B. Nonoxynol täglich benutzt werden, können sie die natürliche Scheidenflora schädigen. Krankheitserreger können so leichter in den Körper eindringen. Schützen Sie sich durch Kondome!

Mundspülungen („ODOL“, „Chlorhexamed“ etc.) bieten KEINEN Schutz vor HIV und sexuell übertragbaren Infektionen durch Oralverkehr. Diese Mittel helfen ausschließlich gegen Bakterien, die z.B. Parodontose auslösen. Schützen Sie sich durch Kondome!

Die Routineuntersuchung bei Frauenarzt/Frauenärztin beinhaltet KEINE Tests auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI). Der Abstrich ist dort in der Regel ein Krebsabstrich. Gynäkologen untersuchen nur dann auf HIV und STI, wenn Sie konkrete Beschwerden und Symptome haben.

Die "vorbeugende" Einnahme von Antibiotika schützt NICHT vor Infektionen. Statt dessen kann sie zu Resistenzen führen, d.h., Antibiotika werden unwirksam. Die Einnahme von Medikamenten, die nicht gezielt vom Arzt verschrieben sind, kann Ihre Gesundheit beeinträchtigen.

Schützen Sie sich durch Kondome!



Eine weitere empfehlenswerte Informationsquelle ist die Seite www.sexsicher.de Dort wird - im Gegensatz zu den meisten Informationsbroschüren - nicht eine Krankheit (mit den jeweiligen Ansteckungszeiten, Symptomen, Behandlungsmöglichkeiten) nach der anderen aufgezählt. Vielmehr wird dort einfach und übersichtlich dargestellt, welche Körperflüssigkeit welche Krankheitserreger enthalten kann. Damit ist auch für medizinische Laien sehr einfach ersichtlich, welche Praktiken welches Risiko beinhalten. Zum Beispiel:

Sperma: kann HI-Viren und Hepatitis-Viren, Tripper-Erreger, Bakterien etc. enthalten.

Speichel: kann Hepatitis-Erreger (HB-Virus) und Tripper-Erreger enthalten, außerdem kann man sich mit Syphilis anstecken. Herpes-Viren können sich auf den Lippen befinden. (Französisch "ohne" und Küssen beinhaltet also durchaus auch für den Mann gewisse Risiken).

Scheidenflüssigkeit: kann HI-Viren, Hepatitis-B-Viren, Gonokokken, Chlamydien und auch Trichomonaden enthalten.



Professionelle Prostituierte vermeiden weitestgehend den Kontakt mit Körperflüssigkeiten ihrer Gäste. Erfahrene Prostituierte können Präventionsarbeit leisten, indem sie als Multiplikatorinnen fungieren und diese und andere wichtige Kenntnisse an unerfahrene Prostituierte - und Gäste - weitergeben.


Last but not least:

In der AIDS- und STI-Beratungsstelle und Poliklinik des Nürnberger Gesundheitsamtes können sich selbstverständlich auch Prostitutionskunden und Sextouristen beraten und untersuchen lassen. Zu uns können alle Menschen kommen, die ein Risiko hatten (... auch wenn ein Kondom geplatzt oder abgerutscht ist...). Anonym und kostenlos.

_________________
Andrea Weppert
Streetworkerin
AIDS/STI-Beratungsstelle und Poliklinik
Gesundheitsamt Stadt Nuernberg
mail: andrea.weppert@stadt.nuernberg.de
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Re: Infektionswege und häufige Irrtümer in der Prostitution
BeitragVerfasst am: 21.12.2006, 11:01 Antworten mit Zitat
Unicorn
Anmeldedatum: 21.08.2006
Beiträge: 2




Hallo,

der grösste Teil der in diesem Text enthaltenen Informationen ist natürlich richtig. Punktweise werden aber aus meiner Sicht Dinge so stark vereinfacht, dass ein grosser Prozentsatz der Zielpopulation solcher Aufklärungstexte am Ende wissenschaftlich falsche Informationen im Kopf behält. Konkret denke ich hier an folgende Stellen:

Andrea Weppert hat Folgendes geschrieben:
(Syphilis, HBV...) Eine Übertragung ist auch durch Oralverkehr („französisch“ oder „blasen“) und Analverkehr möglich.


Der "Analverkehr" meint hier wohl den Anilingus. Analverkehr im üblichen Sinn ist ein hohes Risiko für ¨_sämtliche_ schlimmen Geschlechtskrankheiten.

Zitat:
Der „aufnehmende“ Partner hat ein höheres Infektionsrisiko, sowohl vaginal als anal oder oral. Je intensiver der Kontakt mit infizierten Körper-flüssigkeiten, desto höher das Ansteckungsrisiko.


Das ist insofern ein bisschen irreführend aus meiner Sicht, als der aufnehmende Partner durchaus für manche STI praktisch gesehen dem höheren Risiko ausgesetzt sein kann. So gehört etwa ein Lippenherpes, den man sich als aufnehmender Oralsexpartner zuziehen kann, fast zum normalen Leben, während eine entsprechende genitale Infektion in der Regel sehr unangenehm ist. Ähnliches lässt sich auch für genitale vs. pharyngeale Infektionen beispielsweise mit Chlamydia trachomatis oder Neisserien sagen.

Zitat:
Faustregeln zur Prävention von STI: Lassen Sie sich gegen Hepatitis A + B impfen!


Hier ist anzumerken, dass von diesen beiden natürlich nur die Hep B sexuell übertragen wird.

Zitat:
Die "vorbeugende" Einnahme von Antibiotika schützt NICHT vor Infektionen. Statt dessen kann sie zu Resistenzen führen, d.h., Antibiotika werden unwirksam.


Das ist so nicht richtig, eine Chemoprophylaxe würde sicherlich das Risiko einer Infektion mit sexuell übertragbaren Infektionen reduzieren, soweit die eingesetzten Medikamente gegen die Erreger wirksam sind. Das Problem ist eher die Abwägung der erwünschten Wirkungen einer Chemoprophylaxe einerseits gegen das individuelle Risiko der Nebenwirkungen einer langfristig angelegten Medikamenteneinnahme und gegen das kollektive Risiko einer Selektion von Resistenzen. In manchen Situationen fände ich die Option einer Chemoprophylaxe trotzdem erwägenswert, zum Beispiel bei langfristigen Partnerschaften mit Wunsch nach ungeschütztem Verkehr und einer Herpes-simplex-Infektion eines Partners.
Im Paysexbereich ist das natürlich indiskutabel, Kondome sind die eindeutig überlegene Alternative zu der Art von Megaprophylaxe, die hier notwendig wäre (und schlechter/lückenhafter schützen würde als konsequente Kondombenutzung).

Mfg,
Unicorn
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
BeitragVerfasst am: 04.01.2007, 16:05 Antworten mit Zitat
Andrea Weppert
Anmeldedatum: 21.09.2006
Beiträge: 11
Wohnort: 90403 Nuernberg




Hallo, da draußen, hallo Unicorn –

um Missverständnisse auszuräumen:

das oben gepostete Faltblatt ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein für medizinische Laien verständlicher Text mit begrenztem Umfang. Er richtet sich an Prostituierte und ihre Kunden (um die es hier im Forum geht) und informiert über Risiken, die in der Prostitutionsszene häufig falsch eingeschätzt werden bzw. unbekannt sind.

Wissenschaftlich falsche Informationen sind in dem Faltblatt nicht enthalten.

Für Menschen, die sexuell sehr aktiv sind, ist eine Impfung gegen Hepatitis B und auch gegen Hepatitis A ratsam. Hepatitis A wird auf fäkal-oralem Weg übertragen, z.B. beim Anilingus (auch „rimming“ oder „ZA“ = „Zungenanal“ genannt). Diese Praktik ist verbreitet unter schwulen Männern (bei denen erst Mitte 2006 in Berlin einen Ausbruch an HAV-Infektionen stattfand, sh. www.rki.de). Die Praktik wird auch im Paysexbereich von Kunden nachgefragt und von manchen Prostituierten angeboten.

Die Warnung vor einer „vorbeugenden“ Einnahme von Antibiotika bezieht sich auf nicht gezielt vom Arzt verschriebene Medikamente. Sie richtet sich an Prostituierte, die fälschlicherweise glauben, sie könnten sich mit einer prophylaktischen Einnahme von Antibiotika gegen eine Infektion mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützen. In unserer Beratungspraxis begegnet uns dieser Irrglaube häufig bei afrikanischen Prostituierten, gelegentlich auch bei Osteuropäerinnen.

Mit den besten Wünschen für das Neue Jahr

_________________
Andrea Weppert
Streetworkerin
AIDS/STI-Beratungsstelle und Poliklinik
Gesundheitsamt Stadt Nuernberg
mail: andrea.weppert@stadt.nuernberg.de
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Infektionswege und häufige Irrtümer in der Prostitution
www.only-safer.de Foren-Übersicht » Sexuell übertragbare Krankheiten
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
Alle Zeiten sind GMT  
Seite 1 von 1  

  
  
 Neues Thema eröffnen  Neue Antwort erstellen  


Powered by phpBB © 2001-2004 phpBB Group
Designed for Trushkin.net | Themes Database
Deutsche Übersetzung von phpBB.de